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Xenoblade Chronicles 2 im Test

Xenoblade Chronicles 2 im Test

Xenoblade Chronicles 2 ist der Abschluss eines großen Nintendo Jahres. Ob das Finish auch ein würdiges ist, zeigt unser Test.

Auf dem Rücken von Titanen

Die Geschichte und die Welt von Xenoblade Chronicles 2 weisen einige Parallelen zum Wii-Original auf. Dennoch geht das Spiel ganz klar seinen eigenen Weg. Übertrieben originell mag dieser zwar nicht sein, doch unterhaltsam ist er umso mehr.

Wie in Xenoblade Chronicles, sind es riesige Kreaturen auf denen die Menschheit und andere Spezies ihr Leben verbringen. Diese sind jedoch merklich kleiner und mobiler als zuvor: In Xenoblade Chronicles 2 bedeckt ein Wolkenmeer die Welt und der einzige Lebensraum sind diese Titans. Wandernde, lebende Kontinente. Nach und nach drohen diese jedoch auszusterben, womit auch Lebensraum immer knapper wird. Konflikte und Kriege scheinen auf lange Sicht unausweichlich.

Manche Titanen auf deren Rücken die Menschheit lebt sind groß genug um ein Haus zu beheimaten….

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Spieler schlüpfen in die Rolle von Rex, einem Jungen, der davon lebt Schätze zu bergen. Er ist sich der Gefahr des mangelnden Lebensraumes bewusst. Sein Traum ist es Elysium zu entdecken, ein Paradies an dem die Menschheit ohne Sorgen weiter bestehen kann. Ein naiver Traum, bis an jenem Tag an dem sein Leben schlagartig auf den Kopf gestellt wird.

Die ultimative Waffe

Eines Tages wird Rex von Drivern für eine Mission angeheuert. Driver sind Krieger, die mit Blades verbunden sind. Blades wiederum sind lebendige Waffen, welche gleichzeitig als Waffe in den Händen des Drivers und als sich frei bewegende, eigenständige Person in Erscheinung treten. Diese Gruppe an Drivern entpuppt sich jedoch als die Terroristengruppe Torna, die es auf Aegis, eine besonders mächtige Klinge abgesehen haben.

Durch einen Zufall kommt Rex in Berührung mit Aegis und wird sogleich dafür getötet. Pyra, die Frau welche auch als die Klinge Aegis bekannt ist, rettet ihm jedoch das Leben – und macht Rex zu ihrem Driver. Gemeinsam wollen sie nun Elysium finden. Alles nicht so simpel, haben es doch allerlei Leute auf Pyra abgesehen, von Torna zu ganzen Regierungen. Um ihr Ziel zu erreichen müssen Rex und Pyra nicht bloß zusammenhalten, sondern auch neue Freunde und Verbündete finden. Der Feind ist dabei nie allzu weit entfernt….

JRPG in Reinform

Die Geschichte ist nicht zwingend originell, aber unterhaltsam und vor allem mit sympathischen Charakteren gespickt. Wer kein Freund von Anime-Elementen ist sollte jedoch auf Abstand gehen. Harte Stimmungsschwankungen zwischen Slapstick und Drama könnten abschreckend wirken, während manche Witze überhaupt nur für Fans japanischer Popkultur verständlich sind.

…während andere Titanen so groß wie Kontinente sind!

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Makel zum Trotz ist die Geschichte ein gutes Setup für klassische Rollenspielprinzipien. Gejagt von Feinden ziehen unsere Helden durch die Lande, ihrem Ziel stets näherkommend. Auf dieser Reise werden neue Teamkameraden entdeckt, neue Orte erkundet und die Geschichte durch viele Cutscenes vorangetrieben. In dieser Hinsicht erinnert Xenoblade Chronicles 2 an viele Tales of oder Final Fantasy Titel. Vor allem aber hält es sich an die Vorgaben von Xenoblade Chronicles auf der Wii.

Das heißt: Die Welt ist riesig und voll mit Dingen die es zu entdecken gilt. Sidequests werden einem in großzügiger Menge zugeschaufelt, gleichermaßen Fetchquests und solche die eine eigene Geschichte erzählen. Gegner gibt es in allen Farben und Formen – und mit den unterschiedlichsten Leveln. Weite Ebenen beheimaten etwa gleichermaßen Level 5 Monster für Anfänger, als auch Level 80 Bestien die Rex auch nach Stunden noch mit einem einzigen Hieb niederstrecken. Es ist also Vorsicht geboten, da man sich manchen dieser Kreaturen nicht nähern sollte.

Die Tiefe steckt im Detail

Das Kampfsystem, wie schon im Vorgänger, stellt sich als vermeintlich banal vor, nur um nach und nach seine Tiefe zu entfalten. Zu Beginn wird sofort klar, dass ein großer Teil des Geschehens automatisiert abläuft. Man kann Rex zwar frei bewegen, es bleibt also am Spieler sich selbst auf Distanz zu bringen wenn eine mächtige Attacke nahrt. Einen designierten Angriffsknopf gibt es nicht. Rex muss lediglich nah genug bei seinen Feinden stehen und schlägt automatisch zu, für gewöhnlich in Dreierkombinationen.

Diese Angriff füllen jedoch die nötigen Energieleisten für Spezialangriffe. Die Nutzung der Spezialangriffe wiederum füllt eine Leiste für noch mächtigere Attacken. Letztere können, alleine oder mit dem Rest des Teams, zu überwältigenden Kombo-Angriffen vereint werden. Wer es in einem Kampf weitbringen will, muss auf diese Dinge achten, denn ein gewöhnlicher Schlag alleine beschert keinen Sieg. Heilungsitems kann man ebenfalls nicht einfach so nutzen – auch hierfür gibt es jedoch die passenden Skills.

Schnapp sie dir alle!

Die Komplexität des Kampfsystems hört an dieser Stelle nicht auf. So ist Pyra nicht die einzige Waffe, welche Rex führen kann. Er und seine Partner (mit einer Ausnahme, dazu gleich mehr) können multiple Klingen ausrüsten und diese auch mitten im Kampf wechseln. Oft ist dies sogar die beste Strategie, da sich Spezialangriffe aufladen, auch wenn eine Blade gerade auf der Ersatzbank ist. Somit ist auch gekonntes Management der Blades ausschlaggebend für Erfolg im Kampf.

Im Verlauf des Spiels entdeckt man immer wieder Kristalle, welche die Erschaffnung von und Verbindung mit neuen Klingen ermöglichen. Diese können gewöhnliche Blades sein, deren Aussehen einheitlich ist, oder besonders seltene, welche ein wenig mehr persönlichkeit aufweisen. Gemeinsam mit einem einzigartigeren Design. Die Herangehensweise an die Klingen appelliert stark an den Sammlertrieb in Spielern. Auf diese Weise offenbart Xenoblade Chronicles 2 sogar gewisse Ähnlichkeiten zu Titeln wie Pokémon und Persona.

Im Kampf fällt schnell auf, dass eine farbliche Linie Driver und Blade miteinanderverbindet. Diese vermittelt wortwörtlich die Nähe der beiden Charaktere im Rahmen des Kampfes. Nähe ist hierbei wichtig, denn auch diese führt letztlich zu stärkeren Attacken. Während normale Schläge also automatisch erfolgen, gibt es mehr als genug Feinheiten, auf die man wirklich achten muss.

Vorbereitung ist die halbe Miete

Bevor man sich in ein Gefecht wagt, will man jedoch ausreichend vorbereitet sein. Vorbereitung deckt in diesem Kontext all das ab, was man von einem Rollenspiel erwartet. Neue Rüstungen kaufen und ähnliche Spielereien finden sich hier selbstverständlich wieder. Es ist das Hochleveln und Verbessern von Werten, auf das man allerdings besonders achten muss.

In Xenoblade Chronicles 2 ist es mit einfachem Kämpfen und XP sammeln nämlich nicht getan. Zunächst gilt es Bonus-XP die man aus Sidequests erhält ebenfalls zu nutzen. Dies kann man bei Übernachtungen in Hotels und Herbergen tun. Wenn eine Figur lange nicht aktiv an einem Kampf beteiligt war, kann sie so dennoch schon mal drei bis vier Level in einer Nacht überspringen. Fähigkeiten wollen ebenso verbessert werden, wie neue Skills freigeschaltet. Durch Kämpfe verdient man die nötigen Punkte, welche hierfür. Welche Fertigkeiten dabei als erstes verbessert – oder freigeschaltet – werden ist dem Spieler überlassen. Und dann gilt es auch noch Waffenwerte aufzupolieren. Dies kann über den Einsatz von zusätzlichen Ausrüstungsgegenständen, speziell für die Blades, geschehen. Neue Skills haben die Blades natürlich auch – um diese Freizuschalten müssen unterschiedlichste Anforderungen erfüllt werden. Mal muss eine bestimmte Fähigkeit oft genug eingesetzt werden, mal gilt eine gewisse Zahl an Kombos zu erreichen.

Gekonnte Reizüberflutung: Kämpfe fordern viel Aufmerksamkeit und taktisches Denken.

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Man sieht, es gibt unzählige Wege, mittels derer man sich in Xenoblade Chronicles 2 verbessern kann. Die gute Nachricht? Trotz überwältigender Vielfalt und hoher Komplexität, macht es meistens auch wirklich Spaß. Meistens, denn es gibt eine schwarzen Fleck auf der weißen Weste des Gameplays von Xenoblade Chronicles 2. Poppi.

Krampf statt Kampf

Wie zuvor erwähnt, gibt es einen Sonderfall, was die Driver und Blades betrifft. Hierbei handelt es sich um Poppi, die Blade des Nopons Tora. Poppi ist nicht wie andere Charaktere im Spiel: Sie ist eine künstlich erschaffene Blade. Ein Umstand, welchen die Macher auch berücksichtigt haben. Nicht nur bedeutet dies, dass Tora keine gewöhnlichen Klingen nutzen kann, für seine Poppi gelten auch die normalen Regeln des Auflevelns nicht.

Kämpfe? Items Sammeln? Alles belanglos. Wer Poppi verbessern will, muss (aus Gründen die selbst in der Spielwelt keinen Sinn ergeben) Tiger! Tiger! spielen. Ein gleichermaßen mühsames und langweiliges Minispiel. Die größte Leistung die man Tiger! Tiger! anrechnen kann, ist die Tatsache, dass es gleichzeitig zu einfach UND zu schwierig ist. Zusätzlich wirft eine Runde viel zu wenig in Sachen Ressourcen ab. Am Ende müsste man Stunden mit dieser lästigen Nebenbeschäftigung verbringen. Doppelt schmerzlich, denn Poppi ist eine der charmanteren und witzigeren Figuren des Spieles.

Eine Welt voller Überraschungen

Die größte Ironie hinter dem mühsamen Tiger! Tiger!? Das Minispiel dreht sich um einen Taucher der Schätze bergen muss. Eine Aktion, welche man auch tatsächlich in der Realität des Spieles durchführen kann. Und das ohne all den Frust und die Langeweile. Das tatsächliche Schätze bergen ist eine weitaus simplere Angelegenheit: Ein Quicktimeevent der an ein Rhythmusspiel erinnert und schon werden Schätze (und vielleicht auch Monster) an Land gezerrt. Es ist kein geniales Gameplayelement, aber eine kurze und schmerzlose Angelegenheit. Die Abwechslung ist hierbei durchaus willkommen. Allein, Poppi verbessern kann man auf diesem Weg leider nicht.

Das Bergen von Schätzen ist aber bloß eine von vielen Nebensächlichkeiten, welche die Welt von Xenoblade Chronicles 2 noch größer und lebendiger erscheinen lassen. Vieles offenbahrt sich nur nach und nach. Es gibt versteckte Gegenstände und Areale, welche jedoch nur durch Klingenfertigkeiten zugänglich werden. An anderer Stelle muss man auf Ebbe und Flut achten, wenn man bestimmte Regionen bereisen will, da der Wasserspiegel sich drastisch ändern kann.

Dann gibt es noch die Vorzüge die sich durch das Übernehmen von Händlern ergeben. Kauft man das gesamte Sortiment eines Ladens jeweils einmal, bekommt man die Möglichkeit den ganzen Händler zu übernehmen. Ehe man hiervon profitieren kann, muss jedoch das komplette Sortiment überhaupt erst verfügbar werden. Dazu ist es nötig das Development Level einer Region zu erhöhren. Dies geschieht wiederum durch Handel und Sidequests. In gewisser Weise bringt jede Aktion in Xenoblade Chronicles 2 Fortschritt mit sich, oft auf mehr als nur eine Art. So wird man stets vom Gefühl begleitet wirklich voranzuschreiten, auch abseits der Story, was das gesamte Spielerlebnis spürbar verbessert.

Aus einer anderen Generation

So sehr Xenoblade Chronicles 2 an allen Ecken und Enden punktet, auf den ersten Blick enttäuscht der Titel ein wenig. Zwar verfügt das Spiel über einige beeindruckende Designs, aber alle Schwächen können diese nicht kaschieren. Xenoblade Chronicles 2 sieht, kurz und knapp, wie ein WiiU Spiel aus. Hier geht es nicht einmal darum, dass die Switch zu schwach ist – es geht vielmehr darum wie wenig die Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Die Farben knallen und alles läuft flüssig, aber mehr als ganz nett ist das Spiel letztlich doch nicht. Schade.

Wenn auch nicht der Zeit entsprechend – hässlich ist Xenoblade Chronicles 2 jedoch nicht.

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Auch die englische Synchronfassung setzt einen in die Vergangenheit zurück, mit teils seltsamen Akzenten und fraglichen Übersetzungen. Ja, es gibt es hier ein paar rettende Highlights. Tora und Poppi haben geradezu perfekte Englische Stimmen verpasst bekommen. Aber viele werden gut daran tun sich die japanische Sprachfassung als kostenlosen DLC herunterzuladen. Zwar gibt es auch hier ein paar Negativbeispiele, in Summe ist es jedoch die stärkere Version.

Die Präsentation des Spiels kann an manchen Stellen jedoch auch richtig überzeugen. Nirgends ist das offensichtlicher als bei der Musik. Xenoblade Chronicles 2 hat einen exzellenten Score. Von emotionalen Baladen über fröhliche, heitere Stücke hin zu epischen Tracks für weite Ebenen. Alles ist da und alles ist gelungen. Auf diese Weise wird Xenoblade Chronicles 2 dann doch noch zum Ohrenschmaus.

Fazit

Es ist nicht so einfach einen Titel wie Xenoblade Chronicles 2 zu bewerten. Schließlich hat er offensichtliche grafische Schwächen. Dafür strotzt der Titel mit guter Story und genialem Gameplay, das bis ins kleinste Detail ausgeklügelt ist, zusätzlich angereichert durch einen grenzgenialen Soundtrack. Die englische Synchronfassung lässt zu wünschen übrig – aber zum Glück ist die japanische als kostenloser DLC verfügbar. Dann gibt es noch die Problematik mit Minispiel „Tiger! Tiger!“, das die einzige und frustrierende Art ist einen bestimmten Begleiter zu verbessern. Dies ist aber letztlich auch nur ein kleiner Bestandteil im Angesicht der gewaltigen Ausmaße von Xenoblade Chronicles 2.

Die Bestnote verbaut sich das Spiel auf diesem Weg leider aufgrund der kleinen Mängel. Bedauerlich, denn großartig wäre es. Diese Makel sollten aber auch niemanden abschrecken: Wer Teil 1 mochte oder wer großer Fan von japanischen RPGs ist, wird das neue Xenoblade Chronicles lieben. Es ist genau die Dosis an JRPG Exzellenz, die man haben möchte. Nicht vollends perfekt, nein. Aber wenn einem Stunden über Stunden bester Unterhaltung beschert werden, kann man über derartiges auch hinwegsehen. So gut ist Xenoblade Chronicles 2. Für Fans des Genres eine bedingungslose Kaufempfehlung.


Release Date: 01.12.2017
Plattform: Switch
Genre: Rollenspiel
Publisher: Nintendo
Entwickler: Monolithsoft
PEGI: 12

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