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Zigaretten und Regenbogenherzen – The 1975 in Wien

Zigaretten und Regenbogenherzen – The 1975 in Wien

Nachdem der Konzerttermin im Februar in der Wiener Stadthalle wegen überraschender Verpflichtungen bei der Verleihung der Brit Pop Awards verschoben werden musste, holten The 1975 am 01. Juli 2017 besagtes Konzert nach. Die vier Burschen aus Manchester enttäuschten die Fans, die sogar teilweise vor der Arena Wien campiert hatten, nicht.

Made in Manchester

Als Support war Pale Waves im Gepäck, eine vierköpfige Indie-Pop-Band unter dem Label Dirty Hit, deren Sound ein wenig an eine weibliche Version von The 1975 erinnert. Kein großes Wunder, haben doch Labelveteranen Matty und George, Frontman und Schlagzeuger von The 1975, ihre erste Single There’s A Honey produziert. Obwohl Pale Waves mit knapp anderthalb Jahren seit ihrem Debüt eine eher junge Band darstellen, schafften sie es nicht nur das Publikum zu begeistern, sondern lockten auch einige loyale Fans in die Arena, die enthusiastisch Songtexte mitgrölten und zur Musik mitwippten.

Einen besonderen Eindruck hinterlässt die Stimme von Frontfrau Heather, die an eine Mischung der Sängerinnen der Cranberries und Blondie erinnert, und die poppigen Grundmelodien melancholischer erscheinen lässt. Nach einer halben Stunde qualitativ hochwertiger Songs und etwas wenig Publikumsinteraktion machten die Newcomer aus Manchester der Hauptband Platz.

Pale-Waves-Arena-Wien-(c)-Robert-Reischütz

Pale Waves
(c) Robert Reischütz

Care for a smoke?

30 Minuten später und The 1975 starteten mit einem dramatischen Instrumentalstück ihren Auftritt, das nach kurzer Zeit in den inzwischen gewohnten Opener Love Me überging. Bis auf Robbers wurde diesen Abend kein Hit ausgelassen, die Setlist war eine ausgeglichene Mischung aus ihren beiden Alben The 1975 und I Love It When You Sleep, You Are So Beautiful, Yet So Unaware Of It. Das Improvisationstalent von Band und Crew muss hier erwähnt werden, nachdem Frontmann Matty die Setlist anscheinend während des Konzertes spontan änderte!

Nach den ersten paar Liedern wurde die Bühne plötzlich dunkel und leise. Man vermutete im Publikum eine unerwartete Pause, als plötzlich der Sänger Matty zum Bühnenrand schlenderte und sich demonstrativ eine Zigarette anzündete. Auch wenn das Geschlechterverhältnis im Publikum relativ ausgeglichen war, wurde jede Bewegung vom Frontmann mit Fangirlgeräuschen aus den vorderen Reihen begleitet – so auch hier. Man kann zwar vermuten, dass die Zigarette zur Untermalung der Lyrics des darauf folgenden Songs A Change of Heart geschah, doch wer die Konzertauftritte der Band verfolgt weiß, dass für The 1975 diverse Genussmittel auf der Bühne nichts Ungewöhnliches sind.

Regenbogenherzen

Auch wenn die Interaktionen mit dem Publikum eher zurückhaltend war, sprach Matty in einer kurzen Pause die Bedeutung von Popmusik als Fluchtmöglichkeit für die Weltgeschehnisse des letzten Jahres an, und nutzte dies als Intro für Loving Someone. Mit Lyrics wie „Boys like boys like girls do“, und „Girls like girls like boys do“ riss der Song das Publikum mit, das für diese Gelegenheit sogar Papierherzen in Regenbogenfarben mitgebracht hatte.

The-1975-Arena-Wien-(c)-Robert-Reischütz

The 1975
(c) Robert Reischütz

No goodbyes

Nach guten 45 Minuten und dem Song Sex verließ die Band unerwartet die Bühne und ließ ein verwirrtes, aber trotzdem erwartungsvolles Publikum zurück. Die von der Band erhofften Zugaberufe blieben leider aus – nicht aus mangelndem Bedarf, sondern vermutlich wegen der fehlenden Verabschiedung, die die Besucher eher eine Pause als das Ende erwarten ließ. Nichtsdestotrotz kamen die vier Burschen noch einmal auf die Bühne und entzückten das Publikum mit If I Believe You, Chocolate und The Sound.

Ein liebevolles Winken des Frontmans in alle Richtungen gegen Ende von The Sound könnte als Verabschiedung gedeutet werden, denn nach dem Song verließ die Band abermals wortlos die Bühne. Der einzige Hinweis, dass es nun wirklich zu Ende ging, war, dass Gitarrist Adam Hann seine Picks liebevoll ins Publikum warf. Und natürlich die Crew, die alles zusammenpackte.

Worth it?

Mit einer qualitativ hochwertigen Performance, guter Bühnenshow und dem ganz eigenen Charme von The 1975 war es auch für nicht-Hardcore-Fans ein sehenswertes Konzert! Der Open Air-Bereich der Arena Wien tug einen großen Teil zum Konzerterlebnis bei. Die diversen Snack- und Getränkestände ließen die Wartezeit zwischen Einlass und Konzertbeginn bzw. Vor- und Hauptband kürzer erscheinen, die Stimmung erinnerte eher an Festivals als Konzerte, und der kühle Wind machte diesen Abend zu einem der angenehmsten Konzertabende seit Langem. Des Weiteren bieten zwei erhöhte Terrassen und eine ansteigende Wiese angenehme Möglichkeiten die Bands von relative nahe zu sehen, ohne sich in die ersten Reihen zu quetschen. Worth it? Definitiv!

The 1975 Setlist Sommer Arena, Vienna, Austria 2017, I Like It When You Sleep, for You Are So Beautiful Yet So Unaware of It

Photos: (c) Robert Reischütz

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