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Komatöser Trancezustand: Alt-J in der Wiener Stadthalle

Komatöser Trancezustand: Alt-J in der Wiener Stadthalle

Das britische Alternative/Folk Trio Alt-J ist eine Band wie keine Zweite. Eine Band, an die man sich gewöhnen muss. Experimenteller Minimalismus trifft auf schräge Kanons und Lyrics, die sich im ersten Moment nach Jibberish anhören. Trotzdem sind es Songs, die einen in eine Art komatösen Trancezustand versetzten. Umso spannender war es gestern in der Wiener Stadthalle zu sehen, wie Alt-J ihre Songs live performen.

(c) Yavuz Odabas

(c) Yavuz Odabas

 

Schon bei der Vorband Marika Hackmann füllte sich die Halle. 45 Minuten Indie/Folk Songs mit Radioheadallüren. Und vier überdurchschnittlich sympathische Gesichter. Anfangs konnte man noch problemlos zwei Meter vor der Bühne an seinem Calippo lutschen. Beim Start von Alt-J schaute das schon anders aus. Immerhin sind ja 6000 Menschen gekommen. Minus denen, die ihre Tickets auf Facebook erfolglos wieder verscherbeln wollten.

Es werde Licht

Auf der Bühne: Ein Haufen mit LEDs versehene Metallstangen, angeordnet wie Cubicles. Scheinwerfer, Laser. Ein paar Tonnen Lichtequipment, drei Musiker. Jeder für sich in seinem Cubicle. Keyboard, Gitarre, Schlagzeug. Alt-J starten mit Deadcrush, einem Song ihrer neuen Platte Relaxer.

(c) Yavuz Odabas

(c) Yavuz Odabas

 

In der nächsten Stunde arbeiteten sie sich abwechselnd durch ihre drei Platten, wobei sie anfangs viele Hits wie Fitzpleasure, Something Good oder In Cold Blood rauswarfen. Auf jedem Alt-J Album gibt es ein paar (wenige) Nummern, die etwas langwierig sind. Live schafft man Nummern wie The Ripe & Ruin oder Nara aber ohne Probleme. Denn die Symbiose zwischen Lichtspektakel und Musik war einfach gewaltig. Eine aufwendig konzipierte Lichtershow, die man in der Art nicht einmal bei Stadion-Acts zu sehen bekommt.

Wir haben für euch auf Spotify die Setlist vom gestrigen Alt-J zusammengestellt:

75 Minuten Minimalismus aufgepeppt durch eine sensationell gut konzipierter Lichtershow. Und trotzdem regten manche Songs, dieses Dahinplätschern und die Stimmung zum Augenschließen an. Bis einem die durch die ganze Halle ertönenden Chöre zu Matilda wieder zum „Aufwachen“ verleiten. Mit Left Hand Free beenden Alt-J ihr reguläres Set. Als letzte Zugabe sollte es natürlich noch ihren größten Hit Breezeblocks geben. Dazwischen aber. Dazwischen aber noch zwei dieser langwierigen Songs (das Intro zu An Awesome Wave & 3WW). Und die Beine taten eh schon weh.

(c) Yavuz Odabas

(c) Yavuz Odabas

 

Fazit

Wenn man nach einem Konzert vor allem über die Lichtershow spricht, war der Rest des Konzerts meistens scheiße. Alt-J widerlegen diese These. Ein tolles Set mit wenig Schnickschnack. Und trotzdem redet jeder über das Licht. Aber komm, das war schon super.

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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