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Band des Monats Februar: Tokan

Band des Monats Februar: Tokan

Unsere Band des Monats Februar Tokan klingt nach rollenden Steinen. Nach einem Murabgang übers gesamte Drautal. Aber vor allem einfach nach Tokan. Gut konzipierte Rocknummern, die einen von erster Sekunde an abholen. Manch einer redet von Heavy Stoner – so wichtig ist es den drei Tokan Daniel (Drums), Mario (Gitarre, Gesang) und Sascha (Bass, Gesang) dann aber nicht, welchen Stempel ihre Musik bekommt.

Gestern haben sie ihr erstes Video zur Single Massive (weiter unten) veröffentlicht. Am 16. Februar laden sie zum Release ihres Debütalbums Teil einer vulnerablen Gruppe im Wiener Kramladen (Zum Event). Aber eigentlich ist es schon gut vier bis fünf Jahre her, seitdem die drei in Wien lebenden Kärntner ihr erstes gemeinsames Konzert mit Tokan gespielt haben. Kennen tun sich die drei schon ewig und haben auch schon in Bands wie Trillain oder Captain Knife zusammengespielt. Wir haben mal nachgefragt, wieso sie erst jetzt ein Album releasen.

Also: Wieso hat es so lange gedauert, bis das erste Album entstanden ist?
Daniel:
Am Anfang war es ein Jammen. Wir wollten zurück zu den Wurzeln und einfach zu dritt Musik machen. Ohne Ziel, nur der Musik und Freundschaft wegen. In den Proberaum stellen und Spaß haben. Dass dabei eher was „härteres“ rauskommen wird, war schnell klar. Dann ist es irgendwann mehr geworden und aus dem Jam ist gefühlsmäßig eine Band entstanden. Beim Album war es ähnlich. Es hat einfach gedauert, bis die Nummern konkret Form angenommen haben und bis wir uns als Band definiert haben. Und in Folge auch öfter geprobt und live gespielt haben. Irgendwann kamen wir mit Lukas von Penzing Records / Echo Tunes ins Gespräch, der uns angeboten hat, unser Album zu produzieren. Also haben wir begonnen darüber nachzudenken.

Im Internet bekommt ihr den Stempel „Heavy Stoner“ aufgedrückt. Stimmt das?
Mario: Die Bezeichnung Stoner Rock ist jetzt nicht optimal. Ein Veranstalter hat mal Heavy Stoner geschrieben, seitdem ist das so. Klar haben wir Stoner Elemente wie eben bei dem Song Vulnerable Gruppe , aber sonst ist es relativ durchmischt. Rock, Alternative, Verschiedenes. Wir picken uns bei allem etwas raus. Vom Stoner kommt oftmals der Songaufbau. Ein langes Riff, das sich lang steigert und dahingeht. Wir machen es, wie es uns passt.
Sascha: Heavy Stoner Rock mit Pop Elementen (lacht).

Jetzt ist es da. Euer erstes gemeinsames Album. Aber wer ist die vulnerable Gruppe? Die Menschheit? Ihr? Kärnten?
Sascha: Der Gedanke bei dem Text für dieses Lied, das es auch dann als Albumtitel geschafft hat, ist eigentlich ein ganz anderer. Da geht es eher um Stigmatisierung von vulnerablen Gruppen. Und um die Ansprache von vulnerablen Gruppen. „Ihr seid Teil einer vulnerablen Gruppe! Wir sind Teil einer vulnerablen Gruppe“ heißt es im Song. Wer ist nicht vulnerabel? Man könnte fast sagen, es ist so ein „Ihr seid wir“-Ding. Inklusion. Und das hat es dann zum Albumtitel geschafft.

Auf dem Album sind „nur“ sieben Songs. Wieso?
Mario: Zwei oder sogar ein paar mehr Nummern sind raus geflogen. Qualität vor Quantität. Wir wollten dann lieber eine kleinere Summe an Nummern haben, die gut zusammenpassen und von der Qualität her ein ähnliches Niveau haben. Wir haben auch recht lang an den Songs gefeilt. Das war uns lieber, anstatt zu schauen, dass wir 10-12 Nummern zusammenkriegen.

Und wie funktioniert bei euch das Songwriting?
Sascha: Einer fängt einfach an zu spielen und binnen 5-10 Sekunden sind die anderen zwei dabei.
Mario: Es ist ein offenes Songwriting. Keiner gibt jemand anderem Noten vor. Einer spielt was, die anderen experimentieren dazu. Und irgendwann finden wir zusammen. Für mich die schönste und spannendste Art Musik zu machen. Befreiend und uneingeschränkt.

Tokan (c) Magdalena Müntz

Tokan (c) Magdalena Müntz

 

Texte spielen bei euch ja nicht so eine tragende Rolle, wie bei manchen anderen Bands. Was kommt zuerst? Musik oder Text?
Sascha: Es kommt immer zuerst das Riff. Der Text kommt dann eher zufällig. Das ist jetzt auch nicht so ein klassischer Gesang. Wir setzen den Gesang eher wie ein zusätzliches Element ein. Wie ein zusätzliches Soloinstrument.
Mario: Stell dir vor, du hast einen Song mit klassischen Strukturen. Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Solo, Refrain. Dann ist bei uns das Solo vielleicht der Gesang.

Worum geht es in euren Songs?
Sascha: Jeder Text ist total unterschiedlich und handelt von der Reflexion ganz unterschiedlicher Dinge oder Erlebnisse im Leben. Es ist eine Momentaufnahme von einem Gedanken oder einem Gefühl. Es ist einfach das Auseinandersetzen mit unterschiedlichen Situationen im Leben. Kindheitsverarbeitungen. Liebe. Gesellschaftliche Themen. Und wir haben Songs ganz ohne Text.

Genau. Haben diese zwei Songs auf der Platte erst gar keinen Text gebraucht?
Sascha: Nicht jeder Song braucht Gesang.
Mario: Ja wieso nicht? Wir machen das, was uns gefällt. Das ist ja das Schöne. Keiner gibt irgendwelche Regeln vor. Wir haben unsere drei Elemente: Bass, Gitarre, Schlagzeug. Manchmal braucht es da kein weiteres Element.

Tokan - Teil einer vulnerablen Gruppe | Artwork (c) Mario Baumgartner

Tokan – Teil einer vulnerablen Gruppe | Artwork (c) Mario Baumgartner

Wieso singt ihr auf zwei Sprachen?
Mario: Das ist genau so entstanden, wie unsere Songs eben entstehen. Freies Songwriting – da gab es jetzt keine Absprache. Oder Sascha?
Sascha: Es ist einfach ein Satz im Kopf, manchmal ist der auf Deutsch oder auf Englisch. Keine Ahnung eigentlich, warum man englische Sätze im Kopf hat, wenn man mit anderen Menschen Musik macht. Aber so entscheidet sich das dann ganz natürlich, ob Deutsch, Englisch oder gar kein Text.

Ihr habt vorher schon erzählt, dass ihr Qualität vor Quantität stellt. Wie ging es euch damit im Studio?
Mario: Wir haben in der 2-3 monatigen Pre-Production-Phase immer wieder Demos aufgenommen, an denen wir dann gebastelt, neu arrangiert und experimentiert haben. Danach sind wir wieder ins Studio und haben die Nummern live aufgenommen und einzelne Spuren nachträglich eingespielt.
Sascha: Wir wollten dieses Bandfeeling. Zu dritt in einem fetten Raum und Musik machen. Das war echt super dort. Da hat man wirklich so eine Art Proberaumcharakter und genau so wollten wir klingen. Wir wollten so klingen, wie wir klingen.
Daniel: Someone Else ist zum Beispiel ein One Take. Die Nummer haben wir einmal im Studio gespielt und so ist sie jetzt auf der Platte.

Ihr habt euer Album vor allem auf Vinyl pressen lassen. Dann noch ein paar CDs und Kassetten. Wieso Kassetten?
Daniel: Erinnerungen an Kindertage. An die Zeit, in der man Mixtapes gemacht hat.
Sascha: Es gibt Menschen, die sind in unserem Alter und kennen Kassetten. Das Interessante ist aber, dass die Kids heutzutage auch wieder Kassetten machen. Es gibt gar nicht so wenig Kassettenrelease. Es ist einfach ein schönes Format. Das Mechanische. Reingeben, abspulen, zurückspulen. Das macht einfach etwas anderes mit Musik, als wenn du sie digital abspielst. Außerdem ist überall ein Download-Code dabei.

Tokan (c) Alexander Galler

Tokan (c) Alexander Galler

Und die wichtigste Frage zum Schluss: Warum macht ihr Musik? Was bedeutet euch Musik?
Daniel: Die Energie. Die Gemeinschaft. Ein Trio zu sein ist ideal. Musik zu machen erzeugt ein Freiheitsgefühl. Etwas zu erschaffen und irgendwann andere daran teilhaben zu lassen. Es ist einfach ein wahnsinnig gutes Gefühl, Energie aufzubauen und die dann gemeinsam rauszulassen.

Vielen Dank für das nette Gespräch. Wir wünschen euch viel Spaß bei eurem Albumrelease am 16.02.2018 im Wiener Kramladen. Zum Facebook-Event geht es hier.

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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