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Band des Monats März: Small Hours

Band des Monats März: Small Hours

Wie auch schon im Februar, ist unsere Band des Monats März ein Trio. Ein Trio, das zu dritt mehr Energie aufbringt, wie manch andere Quintetts. Small Hours nennt sich die Post-Hardcore Formation aus Wien/Wr. Neustadt und hat schon mehrere Jahre auf dem Buckel. Seit mehr als zehn Jahren machen die drei Musiker gemeinsam Musik. Zuerst bei der Band Soey, seit 2013 bei Small Hours. Nun veröffentlichen sie endlich ihr lang ersehntes Debütalbum Reconstruction. Sechs knackige Songs, deren Texte zum Nachdenken anregen. Kurz gesagt: Sechs sehr gute Gründe, um Small Hours zu unserer Band des Monats März zu machen. Und um ein wenig mit ihnen zu plaudern:

 

So jetzt ist es endlich soweit. Eure Debüt-LP Reconstruction erscheint. Es war ein langer Weg. Erzählt doch mal davon.
Grundsätzlich geht den Aufnahmen schon ein längerer Vorbereitungsprozess voran. Wir haben uns schon in den Wochen vor Aufnahmestart auf die Songs, das Songwriting und genaues Zusammenspielen konzentriert. Zwei der vielen Proben hatten wir auch ganz einfach mit einem Mikrofon aufgenommen, um die Songs mit bestmöglicher Objektivität zu betrachten. Die Aufnahmen selbst gingen dann relativ schnell. Wir machen jetzt seit circa zehn Jahren gemeinsam Musik. Hauptsächlich stehen wir in genau dieser Instrumentierung im Proberaum oder gemeinsam auf der Bühne. Deshalb haben wir das Album live eingespielt. Das war die natürlichste Form für uns

Small Hours "Reconstruction"

Small Hours „Reconstruction“

 

Beschreibt doch mal einem Laien, was ihr so für Musik macht.
Unser musikalischer Anspruch an uns selbst ist sehr hoch. Dadurch erschaffen wir sehr vielseitige Songs. Gitarrenmusik mit harmonischen Melodien, intensiver Gesang mit ehrlichen Texten, die zum Nachdenken anregen. Bass, Schlagzeug, Gitarre und zwei Schreihälse ohne elektronischem Schnickschnack.

Bei eurem letzten Release wart ihr noch zu viert. Was hat sich verändert? Wie schafft ihr es trotzdem, so viel Energie in eurer Musik aufzubringen?
Der Schlüssel ist Lautstärke! Spaß beiseite, natürlich war die Umstellung von zwei Gitarren mit Bass und Schlagzeug zur 3er-Besetzung ein großer Schritt. Wir haben uns aber sehr schnell dazu entschlossen, auch das Songwriting auf diese Besetzung zuzuschneiden. Somit nimmt hin und wieder der Bass auch die Stelle von einer Gitarre ein.

 

Eure Plattenhülle ziert der Spruch „There is no place for racism, sexism, homophobia, sexual harassment, violence or any other forms of discrimination!“. Kommt unsere Gesellschaft dort jemals hin oder sind wir davon weit entfernt?
Unserer Meinung nach ist die zu überwindende Distanz noch sehr weit. Dass ein einzelner Mensch nicht alles verändern kann, wissen wir gut genug. Aber es geht uns darum Bewusstsein zu wecken. Ein wichtiger Punkt ist, dass man als Person selbst erkennt, wo das eigene Handeln Mitmenschen einschränkt. Jeder kleinste Beitrag zu einem guten Zusammenleben ist ein Schritt in die richtige Richtung. Behandle andere Personen so, wie auch du behandelt werden willst.

Zusatz: Wie sieht es in der Musikszene aus, in der ihr angesiedelt seid?
Leider ist es auch in einer scheinbar aufgeklärten Musiklandschaft so, dass es doch auch hin und wieder zu Übergriffen kommt. Das ist sehr traurig, überhaupt da es gegen die Grundgedanken des Punks & Hardcores spricht. Eigentlich ist es ganz klar: Sei kein Arschloch!

Mehr: Ein paar Worte über die EP von Small Hours aus dem Jahr 2014.

Auf eurer LP singt ihr zum ersten Mal auch auf Deutsch. Wie kommts?
Nicht nur die instrumentale Musik wollten wir beim Songwriting mehr intuitiv erschaffen, ebenso auch die Texte. Zu gewissen Songs standen einfach aus dem Gefühl heraus zuerst Zeilen in deutscher Sprache auf dem Papier, bei anderen wiederum in englischer Sprache. Es ist doch so, dass die englische Sprache viel runder und die deutsche Sprache viel kantiger klingt. Somit wollen wir, dass es bestmöglich zu den Songs passt.

Selbst in euren deutschsprachigen Songs lasst ihr viele Freiräume. Genügend Platz für die eigene Interpretation. Manchmal sind die Songs konkreter, manchmal weniger konkret. Ist euch das wichtig?
Unsere Texte haben meist einen sozial- bzw. gesellschaftskritischen Ansatz. Gewisse Themen sind auch in Richtung Beziehung oder Familie auszulegen. Freiräume und Interpretationsspielraum sind uns hier ein Anliegen, damit sich jede und jeder damit ein klein wenig identifizieren kann.

Small Hours

Small Hours

 

Ihr seid in letzter Zeit recht fleißig auf kleinen Touren/Wochenendtouren unterwegs gewesen. Dazwischen geht jeder von euch „normal“ arbeiten. Würdet ihr das gerne umdrehen oder passt das so?
Wenn es sich so einfach machen ließe, würde es uns schon sehr gefallen, mehr Zeit mit der Musik und auf Touren zu verbringen. Wie es dann wirklich wäre, wenn es soweit käme, kann man sich jetzt aber schwer vorstellen. Musik steht für uns als Selbsttherapie und Leidenschaft auf alle Fälle im Mittelpunkt unseres Lebens. Auch wenn wir damit nicht unsere Ausgaben begleichen können. Die Frage ist ja, ob die Leidenschaft an der Musik weiterhin erhalten bleibt, wenn die Musik zum Beruf werden würde?

Ihr macht ja schon seit langer Zeit gemeinsam Musik. Zuerst bei Soey, jetzt bei Small Hours. Wo wollt ihr denn hin oder seid ihr da, wo ihr hinwolltet?
Wir sind wirklich sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie wir gemeinsam Musik machen dürfen. Kleine Veränderungen sind da auch wichtig um die „Magie“ aufrecht zu erhalten. Unser Ziel ist es natürlich so viel wie möglich auch live zu spielen. Das ist natürlich nicht immer so einfach. Hinter dem Konzerte buchen steckt ja auch viel Arbeit. Und nicht immer bekommt man die erhoffte Antwort. Dennoch sind die Emotionen, die eine Person bei einem Konzert ausstrahlt, genau der Grund, warum wir Musik machen.

Danke für das nette Gespräch. Bitte bringt noch mehr so tolle Platten wie diese heraus. Danke.

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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