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Eine Entjungferung: Die Eels in der Wiener Arena

Eine Entjungferung: Die Eels in der Wiener Arena

Zuerst ein neues Album – Dann das von vielen lang ersehnte Comeback nach Wien: Mark Oliver „E“ Everett und seine Eels machten gestern in der Arena Wien Halt. Viel zu lange sei es her, habe ich mir sagen lassen. Das musst du dir anschauen, hab ich mir sagen lassen. Als neugierige Seele hab mich dann natürlich von den Eels entjungfern lassen. Es war recht langweilig, muss ich euch sagen.

Part-Time Magician

Als Support nahmen sich die Eels That 1 Guy mit auf Tour. An seinem selbst gebauten Instrument, der „Magic Pipe“, vermischt Mike Silverman verschiedenste Stile: Von Rock bis Country, Comedy bis Elektro. Und dabei beansprucht er so gut wie alle Gliedmaßen. Die Füße machen den Beat, die Hände den Rest. Streichen, Klopfen, Zupfen. So faszinierend das Teil auch war – viel anfangen konnte man mit der Musik nicht. That 1 Guy ist zumindest ein sympathischer und (mittel-) witziger Typ – ein interessanter Einstieg war es allemal.

 

Schleppendes Dahingeplänkel

Vier Jahre ist es her: das letzte Konzert der Eels im Wiener Konzerthaus. Damals gab es Hugs für alle – diesmal 60s/70s Rock gemischt mit Popschnulzen, leichtem Hüftschwung und schwangerer Eintönigkeit. Wörter, die sich gerade in meinem Kopf zusammenfinden, um die Stimmung dieses Konzerts zu beschreiben. Nein, es war keinesfalls schlecht – einfach nur etwas langweilig.

Als Eels-Neuling war ich jedenfalls gleich über den Beginn des Konzerts verwundert: Zwei Covers (The Who und Prince). Danach startete Mark Oliver Everett mit seinen eigenen Songs. Er bewegt sich recht leblos vor seinem Mikrofon – auch der Rest der Band ist recht starr. Der Sound erinnert ein wenig an 60s Powerpop/Rock – nur mit weniger Pep und weniger eingängigen Songs. Wer sich selbst kein Bild vom Konzert machen konnte – hier könnt ihr die gesamte Setlist auf Spotify nachhören:

Recht schnell (bei From Which I Came / A Magic World) kommt Schunkelstimmung auf – doch kaum jemand tanzt. Mark Oliver Everett bedankt sich zwar immer wieder für die Stimmung – die einzige gute Stimmung jedoch machte ihr Lichttechniker, der das ganze Konzert sehr schön inszenierte. Nachdem ich mir das Live Konzert in der Royal Albert Music Hall am Vortag angehört habe, wusste ich, Mark Oliver Everett ist ein witziger, sympathischer Typ, der sicherlich auch für mich das Konzert retten wird. Und genau so war es.

Part-Time Comedian

Leider viel zu selten nahm er sich jedoch die Zeit, um zwischen den Songs kleine Anekdoten zu erzählen oder Witze zu machen. Nicht dass es wirklich selten war – ich hätte ihm nur Stunden zuhören können, anstatt den antriebslosen Songs zu lauschen. Gut die Hälfte des Sets ist vorbei – Mark Oliver Everett stellte die Band vor – lautes Gelächter. Beim Intro für den neuen Schlagzeuger wippen dann auch langsam ein paar Köpfe und die dazugehörigen Beine im „Pit“ mit. Umso später es wurde, umso besser wurde das Konzert (für mich). Die schnelle Interpretation von I like Birds kurz vor Schluss rettete zumindest meinen Abend.

 

Die Eels lassen sich lange bitten. Gefühlte fünf Minuten Applaus für drei Minuten Zugabe. Erneut langer Applaus, aber dann eine längere Zugabe. Mit Blinking Lights (For Me) gab Mark Oliver Everett allen Besuchern der Arena nochmals eine Portion Gefühle mit auf den Weg. Das Konzert ist aus. Ich weiß nicht, was es war – aber es war sehr eintönig, langsam und ermüdend.

Fazit

Es war mein erstes Mal Eels. Ich kannte die Musik von Platte auch nur sehr wenig. Eins kann ich jedoch sagen: Den Anklang der Eels, sowohl live als auch auf Platte, kann ich nur aufgrund von Mark Oliver Everetts Gesamtperformance nachvollziehen. Viele andere Menschen sind anderer Meinung – auch was das Konzert betrifft. Ich beschließe für mich, dass es einfach nicht mein Ding ist. Oder ich war tatsächlich auf einem anderen Konzert.  Von einem „Stimmungsbad der Männergefühle“ merkte ich nämlich nichts. Aber zumindest gab es Bussis für alle. Vor allem für Schatzi.

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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