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Ohne Kompromisse: The Exploited in der Wiener Arena

Ohne Kompromisse: The Exploited in der Wiener Arena

Gestern waren die britischen Punklegenden The Exploited und Discharge in der Wiener Arena. Ein Konzert, das an vergangene Zeiten erinnert. Als Local Support spielten die Bands Freigang und Anstalt.

Mehr als würdiger Support

Freigang und Anstalt sind zwei Namen, die mir in letzter Zeit immer öfters unter die Augen gekommen sind. Doch weder live noch auf Platte konnte ich mir bis jetzt ein Bild dieser Wiener Bands machen. Freigang eröffneten den Abend. Unter ihnen ehemalige Mitglieder von Kultbands wie Blümchen Blau und Dead Nittels. Schneller, harter Punk/Hardcore mit geschrienen Vocals. Eine Band, die ich mir sicherlich noch mal anschauen werde. Leute sind leider noch wenige hier. Spaß machte es Freigang sichtlich aber trotzdem.

(c) Mario Baumgartner

(c) Mario Baumgartner

 

Bei Anstalt war die Halle anfangs ebenfalls noch recht leer, füllte sich aber von Minute zu Minute. Gegen Ende war sie voll. Anstalt sind ein Trio, das ebenfalls schnellen Punk/Hardcore mit geschrienen Vocals prophezeit, jedoch immer wieder Rock’n Roll Elemente in ihre Musik einmischt. Ebenfalls hier bin ich positiv überrascht. Musikalisch stehen sie anderen Bands ihres Genres nichts nach und fügen sich perfekt ins heutige Lineup. Die ersten Kiddies tanzen, in der Halle wird es warm. Beide Vorbands kommen mit Überraschungen: Klassische Deutschpunknamen – englischer Gesang.

Keine Kompromisse

Schon Anfang der Achtziger gingen Discharge mit The Exploited auf Tour. Auch heute tun sie es noch. Umso schöner, an solch einem Abend dabei sein zu können. Und einen besseren Art als die Arena gäbe es für so ein Konzert wohl kaum. Als Mensch, der bei der Gründung von Discharge noch lange nicht geboren war. Trotz der Bedeutung, die man Discharge, den Erfindern des D-Beats, zuschreibt, hatte ich bislang wenig Berührungspunkte mit ihnen.

(c) Mario Baumgartner

(c) Mario Baumgartner

 

Discharge kommen jedoch gut 40 Jahre nach ihrer Gründung noch immer mit einer geballten Portion Power daher. Klar gab es einige Lineupwechsel – Sänger Jeff Janiak ist beispielsweise erst seit 2014 mit dabei. Was soll ich sagen – das Set von Discharge ist, wie zu erwarten war, schnell und kompromisslos, wie ihre Musik selbst. Im Publikum kommt es gut an. Sowohl bei dem 15-jährigen Punk mit „Wien du tote Stadt“-Aufschrift auf seiner Jeansjacke, als auch bei der Generation, die noch wissen, was dieser Spruch bedeutet. Jene, die auch schon vor 30 Jahren auf Discharge Konzerten waren. Von denen sind heute nämlich auch einige hier. Großartig. Nach gut 45 Minuten und gefühlten 25 Songs verlassen Discharge die Bühne.

Fuck The Exploited

Gegen 22:30 betreten The Exploited die Bühne. Die Halle ist sehr gut gefüllt. Sänger Wattie präsentiert sich wie gewohnt im knallroten Irokesen. Von seinen gesundheitlichen Problemen merkt man gar nichts. Denn The Exploited starten mit großem Knall. Ein Knall, der gut 90 Minuten andauert. Die Stimmung ist großartig.

(c) Mario Baumgartner

(c) Mario Baumgartner

 

Das Set von The Exploited kommt mit wenig Überraschungen. Von Alternative und Cop Cars, bis hin zu Fuck The System und Fuck the USA. Und allen ihren anderen Hits. Beat The Bastards, Punk’s Not Dead, Holiday In The Sun. Ein Wahnsinn, welche Energie The Exploited nach knapp 40 Jahren Bandgeschichte noch immer rüberbringen.

(c) Mario Baumgartner

(c) Mario Baumgartner

 

Wattie ist mittlerweile schon 60 Jahre alt. Immer wieder klopft er sich mit dem Mikrofon auf seine kahle Kopfhaut. Ich bin mir sicher, es hört sich schlimmer an, als es ist, trotzdem tut es irgendwie weh. Jedes Mal. Immer wieder hält er das Mikrofon ins Publikum – die Meute ist textsicher. Von alt bis jung. Bei Sex & Violence geben The Exploited ihre Bühne frei, gut 20 bis 30 Leute stürmen sie und übernehmen den Vocal Part des Lieds. Nach stolzen 90 Minuten heißt es Feierabend für The Exploited.

Fazit

The Exploited sind eine Band, die auch knapp 40 Jahre nach ihrer Gründung richtig andrücken. Von Watties Herzinfarkt ist nichts mehr zu merken. Der gibt nämlich Gas wie ein 20-Jähriger. Auch Discharge schieben an, wie kaum eine andere Band. Beide Bands auf einem Konzert erleben zu dürfen – genial. Freigang und Anstalt haben den Abend würdig eingeläutet. Ein Konzert, mit wenig Überraschungen. Dafür auch keinen Tiefen.

Fotos (c) Mario Baumgartner

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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