Home   /   Games  /   Meisterdetektiv Pikachu im Test

Meisterdetektiv Pikachu im Test

Meisterdetektiv Pikachu im Test

Mit Meisterdetektiv Pikachu erwartet uns ein etwas anderes Pokémon. Ob sich das Experiment ausgezahlt hat, zeigt unser Test.

Der Wahrheit auf der Spur

Meisterdetektiv Pikachu erzählt die Geschichte eines ungleichen Duos: Tim Goodman, ein junger Mann auf der Suche nach seinem Vater, und ein ganz besonderes Pikachu. Dieses Pikachu kann nämlich reden, auch wenn bloß Tim ihn zu verstehen scheint. Was es damit auf sich hat ist nur eine der Fragen, die das Spiel vorantreiben. Natürlich gibt es auch das Rätsel rund um Tims verschollenen Vater und die genauen Ereignisse die dazu geführt haben, dass Pikachu sein Gedächtnis verloren hat.

Es ist durch bloßen Zufall, dass Pikachu und Tim aufeinander treffen, als sie mitansehen wie ein paar wilde Pokémon ein Kind bestehlen. Gemeinsam beschließen sie die Übeltäter zu finden und die gestohlene Halskette zurückzubringen. Während der sich über alle neun Kapitel erstreckende Plot rund um Pikachus Amnesie und Tims Vater durchaus ernst ist, so sind die Konflikte in den einzeinen Kapiteln eher eine harmlose Angelegenheit. Meist dienen sie nur als simple Gründe für ein paar Rätsel, ehe die eigentliche Story weiter vorangetrieben wird.

Großmaul, Kaffeeliebhaber, Weiberheld. So haben wir Pikachu noch nie erlebt.

So viel spannender die zentrale Handlung auch ist, perfekt ist sie nicht. Das liegt vor allem daran, dass sie sich selbst ein wenig sabotiert. Offensichtlich wollte man auch den jüngeren Spielern das Gefühl geben, dass sie Geheimnisse für sich selbst herausfinden. Im gleichen Zug wurde einiges jedoch zu offensichtlich gemacht. So kommt es, dass selbst ein junges Publikum einige der Wendungen schon lange vorher kommen sehen kann.

Pikachu im Rampenlicht

Diese Schwächen – mehr im Storytelling als in der Story selbst – kann man jedoch dank zwei ganz dicker Pluspunkte verschmerzen. Auf der einen Seite ist das Pikachu selbst. Noch nie hat der große Star des Franchises derart viel Spaß gemacht wie hier. Grund dafür ist vor allem wie sehr man hier entgegen aller Erwartungen vorgeht. An diesem Pikachu ist nichts niedlich. Er hat eine tiefe, brummige Stimme, genießt seinen Kaffee und ist ein absoluter Frauenheld. Fluchen wie ein Seemann kann er auch, auch wenn man dies geschickt umgeht indem man hier nur laute, aggressive ‚Pika Pika‘ Rufe hört. Aber die Aussage hinter diesen ist zumindest einem erwachsenen Publikum klar, was für noch mehr Lacher sorgt.

Pokémon Welt

Das größte Plus jedoch, welches Meisterdetektiv Pikachu auszeichnet, ist schlicht und ergreifend die Welt in der es spielt. Nie zuvor hat es ein Pokémon Titel geschafft in diesem Ausmaß den Eindruck einer wirklichen, belebten Welt zu erschaffen. Nie zuvor waren Pokémon in einem solchen Ausmaß einfach nur Tiere. Keine Kampfmaschinen. Keine Helden in ihrem eigenen Quest. Kein Zeitvertreib für Hobbyzüchter. Einfach nur Tiere, welche die unterschiedlichsten Dinge tun, weil sie eben alle verschieden sind. Manche sind einfach nur Haustiere, andere Leben in Parks oder in Höhlen und haben selbst dort ihr eigenes Territorium. Manche Arten vertragen sich untereinander nicht, andere beschützen sich. Es ist wie ein kleiner Einblick in den Alltag der Pokémon Welt, weit abseits von Kämpfen.

Meisterdetektiv Pikachu, mehr als jedes andere Spiel, fungiert als Einblick in die Welt von Pokémon.

Das mag banal klingen – aber genau darin liegt der Charme des Ganzen. Nie zuvor, weder in Anime noch in Spielen, hat man es geschafft die Welt von Pokémon derart real wirken zu lassen. Kein Wunder, dass sich Hollywood diese Version als Vorlage für den kommenden Kinofilm ausgesucht hat.

Kombinieren und Schlussfolgern

Wenn es ein Spiel gibt, mit dem man Meisterdetektiv Pikachu noch am ehesten vergleichen kann, dass die Ace Attorney Reihe. Zwar geht es hier nicht darum die Unschuld eines Mandanten zu Beweisen, aber das Grundprinzip ist das gleiche: Man Untersucht den Ort an dem man sich befindet, sammelt Beweise und findet so den Schlüssel zur Wahrheit. Das macht an sich ungemein viel Spaß, weil, wie etabliert, die Welt einfach sehr interessant ist und man Stück für Stück immer mehr Hinweise erhält, die einen schon bald selbst die Lösung herausfinden lassen.

Das Gameplay ist simpel und intuitiv, bloß ein wenig mehr Freiraum hätte gut getan.

Hier setzt dann leider auch das größte Problem des Spiels ein: Man hat ein paar Hinweise bekommen und hat das Rätsel geknackt. Jetzt heißt nur noch ein paar weitere Hinweise erhalten. Und noch mehr. Und mehr. Bis Pikachu selbst einem dann schließlich fast schon sagt was genau die Antwort ist. Das Hindernis hier ist nicht der Schwierigkeitsgrad selbst. Das Problem ist, dass viele Hinweise und regelrechtes Einhämmern der Lösungen teilweise unumgänglich ist um im Plot voranzuschreiten. Ein paar dieser Passagen einfach nur optional statt verpflichtend zu machen hätte hier geholfen ein sehr gutes Spiel noch viel besser zu machen.

3DS auf Hochtouren

Was die Präsentation angeht lässt sich Meisterdetektiv Pikachu nicht lumpen. Mit seiner exzellenten Grafik lässt das Spiel andere Pokémon Titel – und sogar die sehenswerte Konkurrenz von Yo-kai Watch – optisch weit hinter sich. Noch nie sah ein Handheld Ableger des Franchises derart gut aus. Gesichtsanimationen, Lichteffekte, knallende Farben, alles so wie man es gern haben möchte.

Top Grafik: Für einen 3DS Titel sieht Meisterdetektiv Pikachu unverschämt gut aus.

Darüber hinaus tragen Sound, Musik und insbesondere die fabelhafte Synchronisation zum exzellenten Gesamteindruck bei. Man kann des Lobs gar nicht genug aussprechen. Für ein System mit den Altersschwächen eines 3DS, ist Meisterdetektiv Pikachu ein in Bild und Ton wahrlich imposantes Kunstwerk. Hier wusste man genau wie man mit der Hardware umzugehen hat. Die Spieler werdens danken.

Fazit

Kurz und knapp: Meisterdetektiv Pikachu ist ein exzellentes Spiel, welches ein wenig Punkte einbüßt. Nicht weil es zu einfach ist, sondern weil es seinen eigenen Spielfluß stört indem es mitunter unnötige Erklärungen unumgänglich macht. Die großen Stärken des Spiels bleiben dennoch erhalten: Witzige und interessante Geschichte. Superbe Grafik und Synchro. Sympathische Charaktere. Mehr als alles andere schließlich eine lebendige, glaubwürdige Pokémon Welt, in der man sich mit Freuden aufhält. Selbst wenn es nicht der ganz große Wurf wurde, der es hätte sein können, die Erwartungen hat Meisterdetektiv Pikachu routiniert überboten und auch so hat das Spiel eine absolute Empfehlung verdient. Gerade für Pokémon Fans und all jene die noch Nachschub für den 3DS wollen ein absoluter Pflichtkauf.

 


Release Date: 23.03.2018
Plattform: 3DS
Genre: Adventure
Publisher: Nintendo
Entwickler: The Pokémon Company
PEGI: 3

Home   /   Games  /   Meisterdetektiv Pikachu im Test

Tags

Related Article