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Schlechte Witze, schnelle Riffs: NOFX in der Arena Wien

Schlechte Witze, schnelle Riffs: NOFX in der Arena Wien

Gestern machte die Punk in Drublic Tour der Punklegenden NOFX auch in der Wiener Arena Halt. In anderen Städten waren Pennywise, Anti-Flag oder Mad Caddies als Gäste geladen – in Wien waren es The Bronx, Jaya The Cat, Bad Cop / Bad Cop und die Kärntner Institution DeeCracks. Ein gemütlicher Punkrocknachmittag mit wenig Überraschungen. NOFX sind halt eben auch nach 35 Jahren nur halblustig.

Dee Cracks / Bad Cop

Den Nachmittag eröffneten nicht The Doors, wie sich einige vom Flyer täuschen ließen, sondern das altbekannte Trio DeeCracks. Leider hat es nur für die letzten zwei Songs gereicht – es war aber sicher wieder super. So wie immer. Bühne frei für Bad Cop / Bad Cop. Eine All Womens Punkrock Band aus Kalifornien. Unter dem Namen kann man sich so einiges vorstellen, vor allem Parolen, Skateboards und Calipunk. Was einem jedoch erwartet erinnert an wenig räudigere Distillers (ja, flacher Vergleich, Frau mit kratziger Stimme am Gesang). Straight Forward, etwas poppig, recht schnörkellos. Läuft. Wenn auch in dieselbe Richtung, wie so viele andere Fat Wreck Bands.

(c) Mario Baumgartner

 

Jaya from the Bronx

Ein wenig Abwechslung und Sommerstimmung brachten Jaya The Cat. Die Band aus Boston vermischt Ska, Dub, Reggae und Punk und macht daraus eine sonnige, doch teils triste Mischung, die zum Tanzen einlädt. Bereits letztes Jahr am Punkrock Holiday Festival in Slowenien waren Jaya The Cat ganz nett. Musik, die man gerne auf Open Airs hört. Sehr situationsbedingte Musik eben.

(c) Mario Baumgartner

 

The Bronx sollten die größte Hoffnung des Abends werden. Im Vorfeld viel Gutes gehört – also Worte, keine Songs. Ganz überraschen lassen wollte ich mich dann doch nicht und habe vorab schon mal in das erste und letzte Album reingehört. Natürlich erfuhr ich kurz vorm Konzert, dass III und IV (The Bronx nummerieren ihre Alben nämlich einfach durch) die Besten sind. Ganz egal, von welchem Album die Songs gestern waren, es war nicht my Cup Of Coffee. Trotzdem war es mitreißend und schön zum Anschauen. Es wurde viel getanzt – Sänger Matt verbrachte selbst ein Lied im Pit.

(c) Mario Baumgartner

 

Standup Comedy mit Punkrockeinlagen

Die Stimmung in der Arena ist super. Es ähnelt einem Klassentreffen. Auf dem Weg zum Klo trifft man fünf Leute, am Weg zur Bar noch mal zehn. Plötzlich ist die Umbaupause schon vorbei. Es ist acht Jahre her, als ich NOFX das letzte Mal gesehen habe. Es ist 14 Jahre her, als ich NOFX das erste Mal gesehen hab. Zweimal. Das hat gereicht. Aber gut, nun bin ich älter und vielleicht auch in NOFX reingewachsen.

(c) Mario Baumgartner

 

Über die Setlist kann man wirklich nicht meckern. Von alten Klassikern wie Linoleum, Bob oder Sticking In My Eye bis zu neueren Songs wie Six Years On Dope, I Don’t Like Me Anymore oder der Hymne für den verstorbenen No Use For A Name Frontmann Tony Sly (I’m So Sorry Tony). Ansonsten alles beim Alten. Fat Mike im Lederrock, El Hefe ganz in Schwarz, Erik Melvin oben ohne. Ab und an lockern sie ihre doch schnelles Set mit Skanummern wie Kill All The White Man oder Eat The Meek. Wer’s verpasst hat, kann das komplette Set in unserer Spotify-Playlist nachhören.

Dazwischen werden Witze gerissen. Oder sagen wir es so: Zwischen den Witzen spielten sie auch ein paar Songs. NOFX‚ Mischung aus Standup Comedy und Punkrock eben. Wie gewohnt nur halblustig. Das ist halt NOFX. Entweder man liebt sie, oder eben nicht. Vielleicht schnall ich es ja beim nächsten Mal. In acht Jahren dann.

Fazit

Ein gelungener Nachmittag in der Arena. Genau das, was man sich unter einem Arena Open Air vorstellt. Super Stimmung, viele schöne Menschen, guter Sound. Die Shows der Bands waren allesamt recht nett – Überraschungen waren aber keine dabei. Solide ist wohl das richtige Wort. Meine persönlichen Gewinner des Abends: Bad Cop / Bad Cop.

Photos (c) Mario Baumgartner

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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