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Ohne Echo: Amadeus Austrian Music Awards 2018

Ohne Echo: Amadeus Austrian Music Awards 2018

Awardshows haben ein Problem: Eigentlich findet sie jeder langweilig. So geht es nicht nur den Amadeus Austrian Music Awards, sondern allen Preisverleihungen – ob nun im Bereich Musik, Film oder Fernsehen. Als Nominierter freut man sich über die Anerkennung und über den Gewinn einer Auszeichnung natürlich sowieso, aber den ganzen Abend dabei sein will trotzdem eigentlich niemand – zu langatmig, zu fade.

Dabei sind Preise wertvoll und wichtig! Gerade in Österreich, wo sich die heimische Szene oft nur halb ernst nimmt und stets auf den großen Nachbarn Deutschland schaut, der nun mal drittgrößter Musikmarkt der Welt ist. Dass der gerade sein ganz eigenes Awardproblem hat, tat der Stimmung an diesem Abend ziemlich gut, denn so avancierten die Amadeus Austrian Music Awards 2018 zum wichtigsten – weil einzigen – deutschsprachigen Musikpreis, wie Conchita zu Beginn klarstellte. (Das Echo-Debakel gab den ganzen Abend lang Anlass für kleine Sticheleien, über die schadenfroh gelacht werden durfte; nicht zu Unrecht.)

Damit die geladenen Gäste im Volkstheater also den Saal ausfüllen und nicht den halben Abend draußen rauchen und/oder saufen, lassen die Veranstalter nichts unversucht und stellen strenge Regeln auf. Dieses Jahr wurde nach Beginn der Show bei den Bars kein Alkohol mehr ausgeschenkt. Das wussten alle aber schon im Vorfeld – es stand im Manual – und so wurde, wie ich hörte, in den vordersten Reihen eifrig eine Wodkaflasche herumgereicht. Vorbereitung ist bekanntlich alles.

Vorbereitet hatte sich auch Conchita; mit einer neuen Rolle, die Dialekt redet und immer etwas übertrieben wirkte. Allein die Eröffnung der Show sprühte nur so vor Pathos, doch im Laufe des Abends nahm sie sich ab und an mal selbst auf die Schippe. Trotzdem – für mich wirkte das alles eine Spur zu aufgesetzt. (Und auch auf der Aftershowparty blieb Conchita voll Diva – und nahm den ganzen Abend die Sonnebrille nicht ab, was auf mich leider mehr als unsympathisch wirkte. Schade!)

AAMA18 Gewinner
(c) Andreas Tischler

 

Um die Show so kurz wie möglich zu halten, wurden heuer fast keine Awards live entgegengenommen. Stattdessen wurde vorab eine Videobotschaft aufgezeichnet, die dann auf der Leinwand gezeigt wurde – was etwas merkwürdig rüberkam, wenn entsprechende Künstler doch da waren und im Publikum saßen und sich dann ihre eigene Rede ansahen. Das Vorgehen spart natürlich viel Zeit, aber so wird den Musikerinnen und Musikern gerade der schöne Moment genommen, unter Applaus die Bühne zu erklimmen und sich für einen Augenblick feiern zu lassen. Und genau darum geht es bei einer Awardshow doch! Hoffentlich überdenken die Veranstalter dieses Konzept noch mal – es würde der Stimmung gut tun und den Preisträgern eher gerecht werden!

Die diversen Liveperformances sorgten natürlich schon für eine gute Atmosphäre, nicht falsch verstehen! Bunt gemischt durch alle Genres (und Geschlechter) repräsentierten die Acts wunderbar die diversen Auswüchse der heimischen Musikszene. Mein absolutes Highlight – und ich hoffe sehr, dass das nicht nur uns Frauen, sondern auch Männern so ging – ist und war der Auftritt von Yasmo, die unterstützt von einigen talentierten Musikerinnen des Landes für mehr Gleichberechtigung in der Branche warb. Und das auf sympathische und doch schmerzlich ehrliche Art.


 

 

An diese Performance werde ich sicher sehr lange denken – und ich hoffe, ihr auch! Das wird aber wohl auch das einzig Erinnerungswerte der Amadeus Austrian Music Awards 2018 sein – ohne richtige Preisvergabe gibt’s eben kein Echo.

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