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Teenage Riot im Reihenhaus: Tocotronic in der Arena

Teenage Riot im Reihenhaus: Tocotronic in der Arena

Teenage Riot im Reihenhaus, heißt es in Tocotronics Song Electric Guitar, mit dem sie zwar gestern nicht das Konzert in der Arena eröffneten, aber fast. Denn zuvor schlich sich noch der Titeltrack ihres neusten Albums Die Unendlichkeit ein. Ein Einstieg, dem einen das Konzert nach einem Song schon unendlich lange vorkommen ließ. Doch ab dann haben die Hamburger Indieopas bewiesen, dass sie keineswegs in die Jahre gekommen sind. Teenage Riot im Elternhaus eben.

Hi Freaks

Erst dieses Jahr haben die Tocos ihr elftes Studioalbum veröffentlicht. Immerhin fünf Songs davon haben sie ins gestrige Set gepackt. Bis auf den Anfangsdowner jedoch eine gute Auswahl. Das bereits erwähnte Electric Guitar, Ich lebe in einem wilden Wirbel und ihre erste Singleauskopplung Hey Du. Die Arena fühlte sich ausverkauft an – das Publikum ausgelassen. Von jung bis alt – doch kaum einer ist jünger als die Band selbst.

Auch nach 25 Jahren sind Tocotronic nicht alt geworden. Naja, vielleicht ein wenig. Aber wenn dann nur vom Aussehen – die Setlist bewies auf jeden Fall Gegenteiliges. Sehr viel schnelle oder härtere Songs haben sie in ihr Set gepackt: Von Let There Be Rock bis Letztes Jahr im Sommer, von Macht es nicht selbst bis Sag alles ab. Das Konzert geht zügig voran und macht Spaß.

Vorgartenrevolution

Mit den Worten „Das ist für Sebastian, oder wie der Vogel heißt“ rufen Tocotronic zu geballten, linken Fäusten auf und bringen mit Aber hier leben, nein danke die Arena endgültig zum Brodeln. Also so wie das halt aussieht, wenn semi alt bis alte Leute zu 90er Jahre Hamburger Schule brodeln. Nach gut 75 Minuten kommen Tocotronic zum Ende. Natürlich nicht ohne Encore Bullshit. Und da sind sie wieder. Hi Freaks. Nach einem Auf und Ab und ein paar Songs wie Freiburg oder Gegen den Strich gehen Tocotronic. So schnell, wie sie auch gekommen waren.

Ein Konzert, dass Junggebliebene definitiv weiter jung sein hat lassen. Ein gutes Beispiel dafür ist wohl Tocotronics Support Die Sauna. Im Internet liest man Wanda und Bilderbuch. Tatsächlich hätten sich Tocotronic (oder das Management) keinen besseren Support aussuchen können. Die Sauna sind eine etwas eintönigere, erwachsenere und wenig verspieltere 10er Jahre Version von Tocotronic. Die bayrische Formation hat das Konzert jedenfalls gut eingeläutet, insofern man nicht an eine der Bars verzweifelt ist. Es gibt zwar einige, aber der Durst dürfte gestern ganz groß gewesen sein.

Fazit

Es heißt zwar, Pure Vernunft darf niemals siegen – Pure Vernunft darf jedoch auch niemals fehlen. Bis auf diesen einen Missing Link haben Tocotronic ein tolles Konzert abgeliefert. Für Fans aber auch für Tocotronic Neulinge wie mich. Mitsingen geht ja trotzdem. Denn Anfang 2000 führte fast kein Weg um Tocotronic. Egal ob FM4 oder die Party deines Cousins. Und anscheinend ist 2018 Tocotronic noch immer ein Thema. Und zwar ein Gutes. Danke.

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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