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You want heavy? – Metallica ritten in der Wiener Stadthalle ein

You want heavy? – Metallica ritten in der Wiener Stadthalle ein

Metallica – die Pink Floyd des Metals gastierten am 31.03.18 in der bereits Monate bevor ausverkauften Wiener Stadthalle.

We’re scanning the scene in the city tonight
We’re looking for you to start up a fight

, sang James Hetfield noch unschuldig bei Seek & Destroy – dem Metallica Klassiker aus ihrem Debütalbum Kill them all aus dem Jahre 1983. In den 80ern war noch alles gut. Texte durften platt wie Palatschinken sein, Männer durften Leggings, toupierte Haare und mehr Make-up als Mama tragen. Und der Gitarrist, der am meisten Triple-Triolen pro Takt unterbrachte, war gleichzeitig auch der, den man anheuert.

Mit Grunge kam der Todesstoß für die meisten Helden dieser Ära. Doch Metallica blieben. Neuer Friseur und der Mut für musikalische Experimente lies sie überdauern. Nicht alles war geil – man denke da an das schreckliche Duett Album mit Lou Reed, die komplett versemmelte Bassgitarre auf dem … Justice for all Album oder die Snare bei St. Anger die eher wie Omas Kuchenblech dahinscheppert.

Aber die Spielfreude haben die Jungs nie verloren und ihren Zusammenhalt haben die Jungs nie verloren, trotz überbordender Egos. Und die Fans danken es ihnen mit ausverkauften Shows. Sogar in Wien.

Und für ihre Live Shows lassen sie sich immer wieder etwas Neues einfallen! Es gab mal ein Stagedesign in Diamantform inklusive einem ausgesparten Fanbereich in der Bühnenmitte, eine jeden Abend aufs neue einstürzende Justitia, in Flammen stehende Roadies, ein unabsichtlich brennender James Hetfield, und natürlich Video und Pyro ohne Ende.

Metallica

 

Auch 2018 stand alles unter dem Motto the bigger the better. Für ihre Auftaktshow ihrer worldwired Tour in Baltimore benötigten sie allein drei Tage für den Bühnenaufbau und gezählte 48 Trucks.

Für Wien warens dann doch nur 23 und was da ausgeladen wurde war nicht das, was man so kennt. Die Bühne stand nämlich in der Stadthallenmitte. Über ihr hebten und senkten sich 52 Video-Würfel mit darunter montierten Scheinwerfern. Ein wenig erinnert das Ganze an die legendäre ZooTV Tour von U2. Das Publikum umzingelt die Band gleichsam, was trotz Stadthallengröße die Intimität einer Clubshow imitiert. Bei wohl kaum einem anderen Konzert in der Größenordnung war die Sicht von allen Plätzen besser.

Eröffnen durfte Kvelertak aus Norwegen die auch ausschließlich auf Norwegisch singen. Ihre Mischung aus hartem melodischen Rock n Roll und irgendeiner Punkströmung war ein ganz spannender Kontrast zum doch oft schnörkellosen Gitarrenbrett von Metallica. Erinnerte ein wenig an Turbonegro. Gesungen wurde stilecht mit einer Dämonenmaske für den Sänger dessen gesangliche Darbietung, trotz der enormer Lautstärke bloß zu erahnen war. Schade.

Kurz vor 9 begann endlich das Intro von Metallica, die Gladiatorengleich durch die Menge zu ihrer Minibühne rannten. Gitarren umschnallen, T-Shirt wechseln, Bierchen trinken, Techniker schimpfen – alles passiert wenige Zentimeter vor dem Publikum. Und das war vom Opener Hardwired bis zur letzten Zugabe auf Metallicas Seite. Auch wenn die doch recht zahlreich vertretenen neuen Songs etwas zögerlicher beklatscht wurden, bei den unzähligen Evergreens wurden sogar die Gitarrenriffs mitgegrölt.

Bassist Robert Trujillo tanzt Limbo mit seinem Instrument und spazierte auf Publikumsebene herum, Sänger James Hetfield rannte von einem Mikro zum nächsten und freut sich, als er einen 11 Jahre alten Metallica Fan in der ersten Reihe entdeckte.

Metallica

 

Mit den derben Metal Shows der Vergangenheit hatte diese durchkonzeptionierte Performance wenig zu tun, timecode genau erscheinen LED Würfel aus dem Bühnenboden die Stompmässig von allen vier Mitgliedern theatralisch beklopft werden. Bei Moth into Flame schwirren Dutzende Drohnen um die Bühne herum, es gibt Flammen, es gibt Raketen und ein sich drehendes Schlagzeugpodest, damit wirklich jeder Lars Ulrich beim Trommeln zusehen kann.

Man hat sogar daran gedacht, in welcher Stadt man sich befindet, es gibt mit Rock me Amadeus ein kleines Ständchen inklusive dem Versuch, Deutsch zu singen.

Um 23.15 spielen Metallica den letzten Ton, bleiben noch gute 10 Minuten auf der hell erleuchtenden Bühne, verteilen jedes Plektron und jeden Drumstick, den sie finden können.

See you soon – we are the houseband from Nova Rock meint Lars Ulrich zum Abschied.

Die Halle leert sich, streng bewacht durch Unmengen Polizisten marschieren die Fans zu ihren Autos in der Kurzparkzone. Als Andenken gibt es einen Strafzettel.

Fazit

Metallica lieben ihre Fans und die Fans lieben Metallica. Auch wenn der riesige Unterhaltungskonzern Metallica 30 Euro für ein T-Shirt verlangt und die durchgestylte Show den ursprünglichen Ansatz der Band konterkariert – man hat trotz horrender Eintritts- und Bierpreise den Eindruck von einer verschwitzten Clubshow nach Hause zu kommen. Dargeboten von einer Band, die nach all den Jahren immer noch gern zusammen musiziert und sich freut, wenn im Publikum jemand mitsingt.

Photos: (c) Stefan Kuback

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Luis Pasching
äähm, mir ist grad ein bisi schlecht
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