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Travis Strikes Again: No More Heroes im Test

Travis Strikes Again: No More Heroes im Test

Travis Touchdown ist wieder da. In Travis Strikes Again: No More Heroes ist der Name Programm. Wir haben das No More Heroes Spin-off für euch getestet.

Lass uns ein Spiel spielen

In Travis Strikes Again holt die Vergangenheit den Helden der No More Heroes Reihe endlich ein. In einer spektakulären Introsequenz wird hierbei gleich mal der Status Quo etabliert: Der ominöse Bad Man taucht bei Travis auf und will ihn ein für alle Mal unschädlich machen. Grund dafür? Travis hat seine Tochter auf dem gewissen (Bad Girl, einer der Bossfights aus dem ersten No More Heroes). Die beiden liefern sich ein hitziges Gefecht, bis die Lage schließlich eskaliert und sie in ein Videospiel gesaugt werden, wo sie fortan zusammenarbeiten müssen um zu überleben.

Klingt nach einem abstrusen Twist in der Handlung. Ist es auch, aber das Spiel ist sich dessen auch absolut bewusst. Schon im Intro wird die Fourth Wall pulverisiert, weil anerkannt wird, dass beide Protagonisten wissen, dass sie in einem Spiel sind – und das bevor Sie überhaupt im Spiel im Spiel landen! Hat man die erste Welt, also das erste Spiel erst abgeschlossen wird es dann umso seltsamer.

Die Gestaltung der Spiele im Spiel bringen stets auch interessante Intros und Logos mit sich.

So könnten Travis und Bad Man ihren Kampf einfach fortsetzen. Tun sie aber nicht. Stattdessen macht sich Travis auf die Suche nach den fünf verbliebenen Titeln, die man auf der mysteriösen (und Menschen in sich einsaugenden) Konsole Death Drive Mark II spielen kann, nur um diese dann mit seinem neuen Partner zu meistern. Die Suche selbst sprengt dann auch nochmal alle Grenzen des gesunden Menschenverstandes. Etwa wenn Travis‘ Katze Jeane plötzlich anfängt zu reden – und das nur ab und an jemand in Frage stellt.

Das wirklich Erstaunliche? Es macht alles auf seine Art Sinn. Vor allem aber macht es Spaß. Suda51 hat wieder einmal sein eigenes Ding gemacht und das Ergebnis kann auf narrative Ebene vollends überzeugen. Zwar setzt es dabei mehr auf bloßen Humor als die beiden Hauptableger der No More Heroes Reihe getan haben, aber die Jokes zünden dafür jedes Mal auf ein Neues.

Zwei in einem

Durch diesen sehr speziellen Handlungsaufbau, ergibt sich auch, dass man es eigentlich mit zwei Spielen auf einmal zu tun hat. Man könnte sogar für noch mehr argumentieren, unterscheiden sich die einzelnen Death Drive Stages doch mitunter sehr in ihrer Herangehensweise an den Spielverlauf, aber zumindest der Kern bleibt hierbei gleich: Wir haben es mit einem traditionellen Actiongame zu tun, welches jedoch von der etablierten Third-Person Perspektive der Reihe abweicht. Stattdessen fährt die Kamera etwas zurück und nach oben. Man hat dadurch weit mehr Überblick über das Geschehen und kann beispielsweise auch in andere Räume einsehen.

Das Gameplay wird ist mitunter sehr hektisch. Die Distanz zum Geschehen ist oft unvermeidlich um noch die Übersicht zu behalten.

Für den Coop Modus ist dies essentiell, aber auch im Singleplayer ist es eine willkommene Abwechslung. Es ist zwar nicht gleich Isometric View wie man sie aus Titeln wie Transistor oder den jüngsten Lara Croft Games kennt, doch spielt es sich durchaus sehr ähnlich. Überhaupt sind die Lara Croft & Spiele Travis Strikes Again nicht unähnlich, stellen auch diese ein Spin-off dar, welches ein wenig experimentierfreudiger ist. Wer in die eine Zielgruppe fällt, könnte also auch in die andere rutschen. Sofern man sich mit dem Humor von Suda51 anfreunden kann.

Sieht man von der neuen Sicht ab, gibt es auch noch weitere Neuerungen. Im Grunde, ja, ist die Action jedoch sehr nah am glorreichen Chaos der Vorgänger an, inklusive dem Umstand, dass Travis‘ Beam Katana genau dann keinen Strom mehr hat, wenn man es am meisten braucht. Auch ist das Spiel wieder sehr fordernd, selbst auf niedrigstem Schwierigkeitsgrad. Erleichtert wird dies jedoch durch eine Vielzahl an Special Moves, die Travis und Bad Man ausrüsten können.

Hier kommt die große Änderung gegenüber dem Original zum Einsatz: Coop bedeutet nicht nur ein gemeinsames Abenteuer für zwei Spieler. Es bedeutet auch einen geteilten Pool an XP und Ausrüstung. Konflikte wer denn nun als nächster das Level Up bekommt sind vorprogrammiert. Anders als bei Mario Kart kann man es sich hier allerdings nicht leisten sich lange uneinig zu sein. Spätestens bei den teils knallharten Bossen sind die paar Continues die einem zur Verfügung stehen schnell verbraucht.

Eine Reise durch die Zeit

Die andere Seite des Spiels befasst sich mit der Sammlung der Death Drive Spiele. Hier wird aus Travis Strikes Again ein Titel, der von einem Actiongame nicht weiter entfern sein könnte: Eine Visual Novel! Noch dazu eine, deren Grafikstil derart simpel ist, dass selbst NES Titel dagegen wie modernste Technologie wirken. Die Entscheidung geht auf. Ja, man muss einiges Lesen, aber die Geschichte ist ungemein unterhaltsam und es ist eine willkommene Anlehnung an die Vergangenheit von Suda51, aber auch der Videospielindustrie an sich.

Es wäre nicht No More Heroes, wenn es nicht eine ganze Reihe abstruster Bossfights gäbe.

Gerade in diesem Hinblick hält sich Travis Strikes Again überhaupt nicht zurück. Videospiele, alt wie neu und vor allem Indies werden hier zelebriert. Die erwähnten Indepentent Games sogar noch deutlicher als andere. Hier gibt es nicht nur bloße Anspielungen oder die Einbindung dominanter Videospielstereotypen. Zahlreiche Titel wie Enter the Gungeon, Furi oder Hatoful Boyfriend zieren etwa die Shirts, in welche Travis sich hüllen kann. Nicht nur kosmetisches Item, sondern gleichzeitig Huldigung einer Industrie – Hut ab vor der Idee.

Intention vor Umsetzung

Die Grafik selbst will man auf der einen Seite loben. Gleichzeitig kann man Travis Strikes Again keine Komplimente für seine technische Meisterleistung machen. Stattdessen ist es der künstlerische Aspekt wo die wahre Stärke liegt. Der Grafikstil ist überzogen, mit knalligen Farben und vielen Effekten, was über mitunter sehr leblose und monotone Hintergründe hinwegtröstet. Hinzu kommen bewusste Schritte zu älteren Optiken, wie etwa für die erwähnten Visual Novel Segmente. Diese Passagen verdienen, wie gesagt, kein Lob für ihre exzellente Grafik. Dennoch gefallen sie, bringen sie doch jede Menge Charme mit sich und fügen sich gut in den Kontext des Geschehens ein.

Das stille Highlight von Travis Strikes Again: Auch Fans von Visual Novels kommen auf ihre Kosten!

Auch in anderen Punkten begeistert das Spiel. Die Synchro ist, wie für die Reihe gewohnt, exzellent und auch der Soundtrack ist einer der sich auf so mancher Playlist finden wird. Vor allem der Sound sticht jedoch heraus, da er ohne Zurückhaltung dem Beispiel der Optik folgt und nach belieben Anleihen an ältere Titel versteckt. Toneffekte klingen nicht genau wie ihre Inspiration, etwa wenn Travis eine Münze einsammelt. Die Geräusche sind jedoch nah genug an ihrem Ursprung dran um mitunter ein Schmunzeln abzuringen.

Fazit

Ein Spiel wie Travis Strikes Again: No More Heroes zu beurteilen entpuppt sich als ungemein schwer, da es hier nicht bloß um Qualität geht. Grundsätzlich: Für das was, es ist und sein will, ist Travis Strikes Again ein großartiges Spiel. Vielleicht nicht auf dem Level eines No More Heroes 2, aber dennoch extrem unterhaltsame Action mit einem Plot, der vor nichts zurückschreckt. Die Herangehensweise an Story, Gameplay und Nostalgie macht das Spiel zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Damit man es auch genießen kann, muss man jedoch einen Draht dazu finden. Alles Lob zum Trotz ist Travis Strikes Again nämlich auch durch und durch ein Nischentitel, der nicht jeden ansprechen wird. Wenn man es mag, wird man es lieben. Aber besser vor dem Kauf antesten, um ein Gefühl dafür zu entwickeln ob man sich zur Riege der Fans zählen wird. Jene, die das schon von Vorgängern der Reihe sind können natürlich blind zugreifen.


Release Date: 18.01.2019
Plattform: Switch
Genre: Action, Visual Novel
Publisher: Grasshopper Manufacture Inc
Entwickler: Grasshopper Manufacture Inc
PEGI: 16

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